Lampenfieber – Fluch oder Segen?

Petra-Maria Popp Allgemein Leave a Comment

Kennst du Lampenfieber? Diese Angst, kurz bevor es losgeht oder sogar während des Auftritts? Diese Nervosität, wenn eine Kamera auf Dich gerichtet ist? Plötzlich tauchen Gedanken auf wie:

  • Auweia – was wollte ich nochmal sagen? 
  • Wie soll ich es nur sagen?
  • Hilfe, es schnürt mir die Kehle zu! 
  • Bin schon heiser, die Stimme ganz dünn, der Kloß im Hals geht nicht mal durch Räuspern weg.
  • Ich habe Angst, den Faden zu verlieren.
  • Ich fühle mich so steif, komme mir so künstlich vor.

Einerseits willst du dich zeigen, andererseits trennt dich die Angst wie eine Mauer davor.

Zeig Dich und wirf die Zweifel über Bord

Wenn deine Herzensangelegenheit in die Welt geschöpft werden soll, führt kein Weg daran vorbei, dich mit ihr auch zu zeigen, stimmt´s?

Kaum stehst du vor einer solchen Herausforderung, melden sich die Zweifel. Alle Wenns und Abers tanzen dir auf der Nase rum und halten dich davon ab, das zu tun, was ansteht.

Perfektion gibt es im menschlichen Ausdruck nicht

Aus meiner Erfahrung als Schauspielcoach kann ich dir versichern, dass es selbst bei erfahrenen Schauspielern oft ganz genauso ist. Sie füllen sich mit den notwendigen Tatsachen über eine Figur an, ergänzen den Rest durch Fantasie, Kreativität und persönliche Erfahrung. Der eine bleibt während des Findungsprozesses ganz still, bis die Figur endlich laut wird, der andere muss übertreiben, ausprobieren, diverse Richtungen ausloten, bis sich plötzlich alles fügt und der darzustellende Charakter seinen ihm angemessenen Ausdruck findet. Nicht selten ein nervenaufreibender Prozess. So fühlen viele Schauspieler starkes Lampenfieber, denn sie wissen ja nie, ob ihre Arbeit bis zur Premiere oder Drehbeginn rechtzeitig fertig und ob sie gelungen ist. Und selbst danach entwickelt und vertieft sich ihre Rollenfindung. Es ist ein „Work in process“. Deshalb können wir alle uns von einer vorgestellten Perfektion getrost verabschieden, wenn es um unseren Auftritt geht.

Lampenfieber ist weder gut noch schlecht

Lampenfieber für sich genommen ist weder gut noch schlecht. Es beflügelt oder lähmt. Was es dir in diesem Prozess schwer machen kann, ist die Tatsache, dass du das Gefühl der Angst, denn das ist ja letztlich Lampenfieber, nicht aushalten bzw. nicht fühlen möchtest. Verständlich, wer will schon unangenehme Gefühle? Da krampft sich etwas zusammen, es zieht, es drückt, wird heiß oder kalt, wer will schon damit sein?! Dann blockiert alles im Körper, wehrt sich und dein Energiefluss ist gestört und führt zu Denk- und Konzentrationsblockaden bis hin zum gefürchteten Blackout!

Ist Lampenfieber ein Tabu, lähmt es Dich

Auch das Black out wäre prinzipiell kein Drama. Wenn du es dir erlauben würdest, wenn es sein dürfte. Wenn du dir erlauben könntest, Dich wieder zu sammeln, Dir eine Pause gewährst und dann wieder neu ansetzt. Ist es aber ein Tabu, wird es dir im Weg stehen und sich immer wieder als unüberwindbare Mauer zeigen.

Erlaube Dir zu sein, wie Du bist

Hier ein wichtiger Rettungsanker bei Lampenfieber, der vielen meiner Klienten hilft: Alles darf so sein, wie es gerade ist. Er ist das Tor zum SOSEIN, und aus dem SOSEIN ergibt sich der nächste Moment und wieder der nächste.

Lenke Deine Aufmerksamkeit

Jetzt kannst du deinen Fokus auf das lenken, was du wirklich willst. Was beflügelt dich, dich jetzt mit deiner Herzensangelegenheit öffentlich zu zeigen, was könnte Gutes daraus entstehen, wem dienst du damit? Wenn deine Begeisterung stark ist, wird dich das Lampenfieber beflügeln und dir die nötige Energie für einen hochenergetischen „Auftritt“ schenken. Lass dich überraschen, wozu Du dann noch fähig bist.

Angst im Schöpfungsakt

Ich erinnere mich an ein Interview mit einem renommierten Regisseur, der den Produzenten seines Films die Auflösung für eine sehr teure und wichtige Szene liefern sollte. Er fand aber keine Lösung und fuhr nun voller Panik zu dem Termin. Je näher er der Verabredung kam, desto schlimmer wurde seine Panik. Er beschrieb, wie er sich mit einem Mal der Angst öffnete und statt der bisherigen Lähmung fühlte er nun einen immensen Energieschub, der seine Kreativität anfeuerte. Bis er vor den Produzenten saß, wusste er eine geniale Auflösung für die Szene. Schöpferische Prozesse sind wie Geburten, denn es soll was sichtbar werden, was vorher nicht sichtbar war, was schön versteckt geschlummert hat. Und schließlich wissen wir bei keiner Geburt, wer und was am Ende des Prozesses herauskommt.

All das dient dem Schöpfungsakt. Ist nicht auch die Erde mit einem Riesenknall entstanden?

Lampenfieber ist reine Energie

Dagegen ist unser Knall im Transformationsprozess eher harmlos, vorausgesetzt, du bist bereit, die Angst zu fühlen. Trenne die Story vom Gefühl! Ja, das geht wirklich.

Plötzlich erfährst du die Angst als reine starke Energie und du hast keine Angst mehr vor der Angst (das ist häufig das Unangenehmste daran). Jetzt ist die Energie befreit und kann dir sogar dienen, deine Inhalte durch dich in Form zu bringen.

Wie das geht?  Ganz im Moment sein. Bewertungen fallen lassen, Kontrolle aufgeben, einfach drauf los – MACHEN!

Gib auch dem Raum, was nicht sein soll

Es kann hilfreich sein, im Vorfeld des Auftritts die eigenen Verbote auszudrücken. Ich erinnere mich an eine Klientin, die wollte auf keinen Fall zerstörerische Wut ausdrücken – ich ermutigte sie, bis sie tobend durch den Raum wütete und schrie, während sie dem Verbotenen Ausdruck verlieh. Plötzlich entstand um sie ein geschützter Raum, in dem sie aus sich selbst einen tief verwurzelten Baum sprießen spürte, der ihr fortan bei allen Präsentationen und schwierigen Gesprächen zur Stütze wurde, für sich einzustehen und das auszudrücken, was ihr wirklich wichtig ist.

Übertreibe, bis alles an seinen Platz fällt

Vielleicht bist du jener Schöpfer, der erst einmal übertreiben muss, alles bewusst und übergroß „falsch“ machen muss, damit du zu deinem befreiten Ausdruck findest. Es ist hilfreich, die verborgenen Tabus aufzuspüren und diesen Raum zu geben, damit sie ihre Macht verlieren. Das wusste schon Rumpelstilzchen. Dies ist ein wichtiger Teil des Prozesses, wenn es um die Befreiung deines wahrhaftigen, kraftvollen Selbstausdrucks geht.

Sei frei, mit und ohne Lampenfieber

Ach, wie liebenswert und demütig werden wir durch das Lampen- oder Schöpfungsfieber! Und welch ein Wunder immer wieder, wenn deine persönliche unverwechselbare Schöpfung ans Licht kommt und das ist ein berauschender Moment. Die Geburt Deines kraftvollen Selbstausdrucks ist all die Wehen wert, wenn du dich ganz in deinem freien Ausdruck erlebst.

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